IGLESIA EVANGÉLICA DEL RÍO DE LA PLATA

 

CONGREGACIÓN EVANGÉLICA ARGENTINO-GERMANA, BUENOS AIRES SUR

Gegründet 12.4.1898

25 de Mayo 24 (1878) Quilmes Tel./Fax +54-11-4254 6578

Emailadresse: jardinesquilmesdontospamme@gowaway.hotmail.com

Kindertagesstätten "Los Angelitos" und "El Arca de los Niños"

Kindertagesstätten “Los Angelitos” und “El Arca de los Niños”

Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein

Psalm 118,24

 

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Kindertagesstätten,

ja, heute am 21. September 2017, ist es genau 35 Jahre her, dass wir mit der Betreuung von Kindern im Vorschulalter in unserem Gemeindesaal begonnen haben!

Dreieinhalb Jahrzehnte – wie Vieles haben wir in dieser Zeit erlebt, wie viele Familien ein kürzeres oder längeres Stück in ihrem Leben begleitet! Von den ganz bescheidenen Anfängen fast ohne Ausrüstung sind wir Stück für Stück gewachsen. Wie viele schwierige Momente haben wir durchstanden und daraus viel gelernt. Stück für Stück ist ein buntes Gewebe entstanden, an dem so viele verschieden Personen mitgewebt haben:

Die Kinder und ihre Familien, die uns an ihrem Leben, ihren Sehnsüchten und Problemen teilhaben lassen, seit Jahren immer häufiger „in der zweiten Generation“, wenn die ehemaligen Kinder ihre eigenen Babies zu uns bringen; die Mitarbeiterinnen, die sich trotz der intensiven täglichen Beanspruchung immer wieder neu für ihre Aufgabe begeistern; die verschiedensten staatlichen Stellen, Verwalter der Zuschüsse, die wir so nötig brauchen und die uns so oft mit ihrer Bürokratie das Leben schwer machen...

und dann all die Menschen, die mit Wort und Tat an unserer Arbeit Anteil nehmen – hier in Argentinien und ganz besonders in unseren Partnergemeinden, und Freundesgruppen in Deutschland. Ihren Einsatz aus der Ferne für das Ergehen von persönlich unbekannten Menschen empfinden wir immer aufs Neue als ein überwältigendes Geschenk, nichts was wir „verdienen“ könnten – und ein konkretes Zeichen von Gottes Gegenwart und Liebe, die ja auch verschenkt, nicht verdient wird. Die Freude und Dankbarkeit für den zurückgelegten Weg möchten wir deshalb ganz besonders mit Ihnen allen teilen. In Südamerika, Argentinien, Quilmes sind Sie alle Tag für Tag präsent, in jeder Tasse Milch, jedem Mittagessen, der behüteten Siesta auf der eigenen Matratze, dem fröhlichen Tanzen, Springen und Entdecken im Gruppenraum und draußen im Garten, den Umarmungen und dem Vertrauen darauf, dass das Leben Gutes für uns alle bereit hält - ohne Sie gäbe es hier keine Kindertagesstätte der evangelischen Gemeinde.

Zum dankbaren Blick auf den zurückgelegten Weg gehört untrennbar die Frage nach dem Ort, an dem wir uns jetzt befinden – und auch nach den möglichen Wegen für die Zukunft.

Wo befinden wir uns im September 2017, 8 Monate nach unserem Brief zum Jahresbeginn? Im Januar schrieb ich:

Einer der misslichsten Aspekte der Diskussion im „öffentlichen Raum“, sowohl den Medien als auch in aller Art von Gruppen: Arbeitskollegen, Freundeskreise usw. ist im letzten Jahr die Gehässigkeit geworden, mit der einander widersprechende Standpunkte nicht mehr inhaltlich-sachlich diskutiert werden konnten, sondern es nur noch einen Austausch von gegenseitigen Anschuldigungen gab.“

Daran hat sich nichts verändert, sondern alles spitzt sich noch immer mehr zu. Und dem Beispiel des „Großen Bruders“ im Norden folgend, werden nicht hundertprozentig hinter den offiziellen Maßnahmen stehende Regierungsfunktionäre entlassen oder massiv zum Rücktritt gedrängt wie die Generalbundesanwältin, wenn sie in Ausübung ihrer Verantwortlichkeit Regierungsvorhaben juristisch hinterfragt. Ebenso werden alle Fäden gezogen, um Journalisten mundtot zu machen, die Regierungsmaßnahmen auf welchem Gebiert auch immer unter die Lupe nehmen. Ein zutiefst beschämender Fall ist die Verfolgung der Mapuchegruppen in Patagonien: Dort sind tausende von Quadratkilometern an ausländische Kapitalgrößen wie z.B. Benetton verkauft worden und die kleinen Gruppen der indigenen, vorkolonialen Einwohner werden aus ihrem Lebensraum verdrängt. Diese Verdrängung geschieht schon seit Jahren, aber die jetzige Bundesregierung stellt sich massiv auf Seiten der Großgrundbesitzer und setzt Einheiten des Bundesgrenzschutz gegen die Mapuchefamilien ein. Es ist als würden wir um 150 Jahre zurückfallen, als die Ausrottung der ursprünglichen Einwohner des Südens von Argentinien noch als Heldentat auf dem Vormarsch der Zivilisation gefeiert wurde.

Der große wirtschaftliche Aufschwung, zu Jahresbeginn als gewiss angekündigt, lässt auf sich warten – und das bedeutet ganz besonders für die sozialen Gruppen unserer Kindertagesstätten anhaltende Arbeitslosigkeit und Verarmung, bei gleichzeitigem unaufhaltsamem Ansteigen der Lebenskosten.

Unser Ringen um den Zugang zu mehr staatlicher Förderung ist weiterhin wenig erfolgreich: Nachdem im April endlich die erste Rate für die Krippenabteilung ausgezahlt wurde, warten wir nun schon seit 4 Monaten auf die Anweisungen, die ab dem Monat Mai fällig sind – auf unseren Nachfragen bekommen wir hinhaltende Antworten „befindet sich in Bearbeitung“... Der gleichzeitig für den Kindergartenbereich eingereichte Antrag dagegen musste im Juni erneut gestellt werden „die Formulare haben sich geändert“ und eher zufällig erfuhren wir, dass der im Juli 2016 eingereichte Antrag verlorengegangen war. Falls wir diesmal mehr Glück haben, werden wir frühestens rückwirkend ab September dieses Jahres den betreffenden Zuschuss bekommen – wann allerdings das sein könnte ist völlig ungewiss.

Dagegen hat unser Bestreben hinsichtlich der Aufstockung des Zuschusses für die Erzieherinnengehälter im Kindergartenbereich bisher noch nichts bewegt – außer dem Vorschlag der Stadtregierung, unseren Kindergarten an die Kommunalverwaltung zu übertragen – ich weiß nicht wie ein solches Ansinnen in einem deutschen Kontext wirkt, aber für uns hier bedeutet es die Weigerung, sich für die Belange unserer Einrichtung einzusetzen, Hand in Hand mit dem Versuch – falls wir akzeptieren würden – sich mit den Lorbeeren zu schmücken, die ein „Ganztagskindergarten für die bedürftigen Familien unserer Stadt“ bringen würde – besonders in Wahlkampfzeiten. Denn am 22. Oktober finden hier die Zwischenwahlen statt, bei denen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene ein Teil der Abgeordneten neugewählt wird (nicht die Regierung selbst). Diese Zwischenwahlen werden allgemein als Barometer für die Akzeptanz und als Perspektive für die nächsten Regierungswahlen in zwei Jahren gewertet.

Nach mehr als 20 Monaten Amtszeit der im Dezember 2015 angetretenen Regierung – die ja im Falle der Stadt Quilmes derselben Parteigruppierung wie auf Bundes- und Landesebene angehört, lassen die Fakten trotz aller schönen Reden über die „Priorität für die ersten Lebensjahre“ keinen Zweifel, dass diese Priorität für die Bedürfnisse der sozial schwachen Familien und speziell ihrer Kinder nicht wirklich besteht. Unter diesem Vorzeichen ist es schwer, Zukunftsperspektiven für unsere Arbeit zu entwickeln.

Schwer – aber nicht unmöglich: Denn, so sagt unser Gemeindepräsident, auf unserer Seite haben wir den, für den die Kleinsten, Unscheinbarsten die Wichtigsten sind. Und so versuchen wir, auf verschiedenen Ebenen neue Formen des Fundrising zu entwickeln. Zum Beispiel den Aufbau einer lokalen Spendergruppe „Manos Amigas“ (Freundeshände) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Schule in Quilmes und andere Aktionen.

Und wir erneuern die Bitte an Sie alle, auch in Zukunft mit uns auf dem Weg zu bleiben – um der Kinder und ihrer Familien willen. Um der Flamme der Hoffnung willen, die wir so nötig haben, hier bei uns und ebenso bei Ihnen.

In dankbarer Verbundenheit grüßt Sie

Claudia Lohff-Blatezky

 

Kindertagesstätten “Los Angelitos” und “El Arca de los Niños”

Quilmes, im Januar 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Hesekiel 36,26

Das neue Jahr mit einem neuen Herzen zu beginnen – das wäre wunderbar! Ganz besonders, weil das vergangene Jahr 2016 so randvoll mit schwierigen Momenten, mit bangen Fragen, mit verwirrenden aber auch empörenden Regierungsäusserungen und –entscheidungen war, dass unsere Herzen wohl wirklich ein Stück weit versteint sind, wie es in dem Text weiter heisst, aus dem die Jahreslosung stammt. Wie sonst Zeiten überstehen, in denen wir in der Zerreissprobe zwischen der vielfältigen Verschlechterung der Lebensbedingungen und dem Ausbleiben von konstruktiven Regierungsmassnahmen Stand halten müssen?

Eine der mißlichsten Aspekte der Diskussion im „öffentlichen Raum“, sowohl den Medien als auch in aller Art von Gruppen: Arbeitskollegen, Freundeskreise usw. ist im letzten Jahr die Gehässigkeit geworden, mit der einander widersprechende Standpunkte nicht mehr inhaltlich-sachlich diskutiert werden konnten, sondern es nur noch einen Austausch von gegenseitigen Anschuldigungen gab. Gemeinweseneinrichtungen, zu denen ja auch unsere Kindertagesstätten gehören, mit denen wir an mehreren lokalen Foren beteiligt sind, und die eine Kooperation mit der vorherigen Kommunal- Provinz- und/oder Bundesregierung unterhielten, wurden/werden misstrauisch „a priori“ als der vorherigen Regierung verschrieben und deshalb feindlich angesehen. Dass die Zusammenarbeit mit uns und den zahlreichen, oft der katholischen Kirche nahen Einrichtungen eine große Chance für eine effizientere Sozialpolitik darstellt – das scheint nur ganz allmählich bei einigen Entscheidungsträgern als Möglichkeit erwogen zu werden. Und das auch nur bei denen, die ein ernsthaftes Interesse daran haben, wirklich etwas zu tun für die Verbesserung der Lebenssituation der zigtausend armen und ärmsten Familien allein im Bereich der Kommune Quilmes.

 

 

 Freilich, die Bundesregierung beginnt das Jahr 2017 mit der Neuauflage der Diskussion um die Herabsetzung der Strafmündigkeit von 16 auf 14 Jahren – wie ist die darin enthaltene Botschaft zu verstehen? Steckt hinter den „bevölkerungsnahen“ Gesten der Regierenden – von allen sozialen Netzen vervielfältigt - wirklich mehr als die Intention, keinen Sympathiepunkt zu verschenken? Wenn wir auf die nüchternen Wirtschaftsdaten blicken, ist es schwer, darauf eine andere Antwort als Nein zu finden.

Wie sieht es nun konkret bei uns zum Beginn des Jahres 2017 aus?

Vor Ort versuchen wir die Absicherung unserer Arbeit durch zwei Komponenten zu erreichen:

Die erste: Erhöhung des Zuschusses für Gehälter der Erzieherinnen in der Kinderarche auf 100 Prozent. Noch immer müssen wir monatlich rund 2.500 Euros aufbringen um nur diesen Teil der Gehaltsverpflichtungen abzudecken.

Wir haben Gespräche mit der zuständigen Schulrätin geführt und mit der Leitung der für unsere Region zuständigen Beauftragten. Wir haben die entsprechenden Unterlagen eingereicht. Wieder einmal ist es eine Frage des politischen Willens, ob dieser Antrag in Bewegung kommt – und unsere Verantwortung, alles zu tun, um das zu erreichen. Also haben wir den Bürgermeister zur Schuljahrsabschlussfeier eingeladen und er ist nicht nur gekommen, sondern hat auch versprochen, sich beim Landeserziehungsministerium für diesen Antrag einzusetzen. An uns ist es jetzt, ihn daran zu erinnern!

 

 

Die zweite: Schon Ende März groß angekündigt, wird allmählich ein „Plan zur Unterstützung der Frühen Kindheit“ umgesetzt. Konkret sollen damit schon bestehende Einrichtungen, die mit Kindern bis zu 4 Jahren arbeiten einen kleinen monatlichen Zuschuss erhalten. Mitte des Jahres haben wir die entsprechenden Anträge eingereicht. Am 10. Januar erhielten wir die Nachricht, dass in näherer Zukunft mit der Auszahlung der Beträge für die Kinderkrippe begonnen werden soll – für die Kindergartenabteilung wird es noch länger dauern... und die Anforderungen an monatlichem Bericht über jedes einzelne Kind sind hoch – wir werden Stück für Stück herausfinden müssen, wie wir das mit dem gegenwärtigen Personalstand bewältigen können – denn für mehr Arbeitsstunden reicht es nicht.

Während die Monate des letzten Jahres mit Antragstellen und Nachfassen verstrichen, war die Unterstützung aus unseren Partnergemeinden ausschlaggebend dafür, dass es bei uns Monat um Monat weitergehen konnte. Diese Unterstützung war so wichtig, dass es uns fast an Worten fehlt, um das an Sie alle so zum Ausdruck zu bringen, wie es tatsächlich den Umständen entspricht. Ohne die Kreativität und Solidarität, mit der Sie immer wieder Mittel für unsere Arbeit gesammelt haben, wären wir heute nicht in der Lage, uns auf das herannahende Arbeitsjahr vorzubereiten. Jede Mahlzeit, jedes Lachen, jeder entspannte Mittagsschlaf, jedes Spiel und jeder Wachstumsschritt jedes der 128 bei uns betreuten Kinder ist von Ihnen mit getragen worden. Von tiefstem Herzen danken wir für alle Ihre Unterstützung zu danken. Sie alle sind ein nicht wegzudenkender Teil unserer Kindertagesstätten.

 

 

„Los más pequeños son los más importantes” – Die Kleinsten, Schwächsten, Unbedeutendsten sind die Wichtigsten (Lukas 9,48) – ist unser Leitspruch auch 2016 gewesen. Um das Heranwachsen der Kleinsten zu begleiten, braucht es ein lebendiges Herz – und darum geht uns die Jahreslosung so nahe. Wir fühlen, dass wir uns um der Zukunft der Kinder willen nicht mit dem Versteinern unseres Empfindens, mit dem Resignieren angesichts so vieler Widrigkeiten abfinden können. Und gleichzeitig ist dies das Geschenk dieser Kinder und ihrer Familien an uns – dass wir nicht versteinern, empfindungslos, gleichgültig werden. Dieses Geschenk möchten wir mit Ihnen teilen!

Und natürlich kann ich diesen Brief nicht schließen ohne Sie zu bitten: Bleiben Sie auch im eben begonnenen Jahr ein Teil unserer Arbeit, die Kinder und ihre Familien brauchen Sie! Und lassen Sie uns darauf hoffen, dass über menschliche Vernunft und Berechnung hinaus dieses Jahr bei Ihnen und bei uns die Herzen erneuert und mehr Frieden unter uns bringt.

In herzlicher Verbundenheit

Ihre Claudia Lohff-Blatezky

Kontoverbindung unserer Kindertagesstätten in Deutschland:

Kontoinhaber Congregación Ev. Argentino-Germana Buenos Aires Sur, Kontonummer 643412 bei der Evangelischen BankeG, IBAN DE77 5206 0410 0006 4364 12 BIC GENODEF1EK1

Aus Quilmes Weihnachten 2016

Elisabeth, Eduardo und Lucía bei Lucías Kindergarten-Abschlussfest

Edith mit Kindern ihrer Gruppe im Garten des Gemeindegrundstücks

“Das Volk das im Finstern wandert, sieht ein großes Licht; über denen, die das Todesschattenland bewohnen, geht ein Licht auf.”

In diesem Jahr stand für uns die Adventszeit unter dem Gedanken: „Spuren der Hoffnung finden“.

Wir möchten hoffen - aber wie? Vier Frauen aus unseren Kindertagesstätten haben uns etwas über ihr Jahr 2016 und über die Quellen ihrer Hoffnung und ihres Beharrens mitgeteilt.

Aber auch für das Team der Mitarbeiterinnen war es ein Jahr mit besonders schwierigen Bedingungen. Heute kommen zwei von ihnen zu Wort. Sie gehören zwei verschiedenen Generationen an.

Elisabeth Schvemler kommt aus einer der russlanddeutschen Familien, die ursprünglich – vor 160 Jahren aus dem Wolgagebiet in die Provinz Entre Rios eingewandert sind und dort ganzen Dorfschaften ihre besondere Prägung gegeben haben. Ihre Großeltern sind dann auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten vom Dorf in die Stadt Buenos Aires gezogen. Elisabeth ist 34 Jahre alt und lebt mit ihrem Partner Eduardo zusammen, der auch 34 ist und als Conserge in einem Hotel in Florencio Varela arbeitet. Beide sind die Eltern von Lucía, die am 22. Dezember 6 Jahre alt geworden ist.

„2016 war für mich ein wirklich schweres Jahr. Die ganze politische Landschaft ist so widersprüchlich und in vielfacher Hinsicht auch beängstigend. In diesem Jahr reicht unser Einkommen kaum für mehr als dazu, die einfachen Alltagsbedürfnisse zu befriedigen. Im Januar werden wir für zwei Wochen in Urlaub fahren, eine Freundin in einem Dorf in Córdoba nimmt uns auf. Für die Busfahrten dahin haben wir das ganze Jahr Stück für Stück gespart...

Ich finde, der allgemeine Stimmung ist insgesamt nicht nur vom wirtschaftlichen Rückschritt bestimmt, es ist mehr Aggressivität vorhanden, und die institutionelle Gewalt hat spürbar zugenommen. Ich wohne in Florencio Varela und fahre jeden Tag mindestens 50 Minuten mit dem Bus zur Arbeit. Oft hält die Polizei den Bus an, pickt sich die Jugendlichen heraus und zwingt sie, sich mit erhobenen Händen und gespreizten Beinen neben den Bus zu stellen, ihre Rucksäcke durchsuchen und sich selbst abklopfen zu lassen, einfach so. Das Ganze wird mit beleidigenden Sprüchen der Polizisten begleitet – früher gab es sowas nicht.

Auch in meiner Familie war es kein leichtes Jahr – erst wurde meine Mutter operiert, dann mein Vater. Keine schlimmen Sachen, aber doch bedrückend, bis klar ist, dass alles wieder gut wird. Meine Mutter passt viel auf Lucía auf, aber nach der Operation war sie über längere Zeit ziemlich niedergeschlagen, erst allmählich ist sie wieder etwas froher gestimmt.

Und wir hatten uns mit Edu im vorletzten Jahr in einen Kreditplan des Sozialministeriums für junge Paare eingeschrieben, um eine eigenes Häuschen zu bauen. Aber durch die Abwertung der argentinischen Währung durch die neue Regierung ist die Kreditsumme völlig unzureichend geworden, da blieb uns nichts anderes übrig als diesen Plan zu kündigen.

Was mir inmitten all dieser bedrückenden Bedingungen Kraft und Hoffnung zum Weitermachen gibt?

Zu allererst unsere Tochter Lucía! Mit ihr zusammen Dinge neu oder wieder zu entdecken ist meine tägliche Vitamindosis! Und dann meine Arbeit in der Kindertagesstätte. In diesem Jahr habe ich in der Gruppe der kleinsten gearbeitet und werde mit ihnen gemeinsam im nächsten Jahr in die Zweijährigengruppe „umziehen“. Mitzuerleben wie sich diese kleinen Menschenknospen dem Leben öffnen, gehen und sprechen lernen, ihre Umgebung erobern – das ist jeden Tag einfach wunderbar. Und das Teilen dieser Erlebnisse mit meinen Mitarbeiterinnen, dass wir uns gegenseitig in unseren Angelegenheiten austauschen, begleiten, einfach paar ein paar Mates auch Dampf ablassen können, auch das ist wichtig und gibt neue Kraft.

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass für die Kindertagesstätte eine bessere finanzielle Basis erlangt werden kann – und für meine Lucía, dass sie die neue Etappe – sie kommt in die erste Klasse – fröhlich beginnt und sich schnell in der Schule zurecht findet!“

Edith Orellana ist 53 Jahre alt und hat in diesem Jahr gemeinsam mit Elisabeth gearbeitet. Verheiratet mit Antoni, 64, der als Chefkoch ausgebildet ist, aber seit vielen Jahren schon in verschiedenen kommunalen Einrichtungen Fortbildungen für Jugendliche und Erwachsene in seinem Fach leitet. Gemeinsam haben sie eine Tochter, Eva, 23 Jahre alt, die vom Theaterspielen und anderen darstellenden Künsten begeistert ist, Jonglieren, Akrobatik und anderen Zirkuskünsten. Im nächsten Jahr möchte sie eine ernsthafte Ausbildung in Fach Theater beginnen.

„ Auch für mich und meine Familie war 2016 ein schweres Jahr. Der überall spürbare soziale Rückschritt ist sehr bedrückend. Dass wir wieder Situationen erleben wie vor über zwanzig Jahren, das hätte ich mir nicht vorstellen können. Die unverhüllte Übergabe von staatlichen Einrichtungen an private Konzerne; der Hass auf alles, was die armen oder wenig bemittelten Bevölkerungsgruppen durch die vorige Regierung an Zugang zu besseren Bedingungen in Ausbildung, im Gesundheitswesen bekommen hatten; die zum Teil haarsträubend reaktionären Äußerungen von Ministern und anderen Regierungsmitgliedern zu Genderfragen oder Vielfalt der Lebensformen sind niederschlagend und manchmal auch beängstigend...

Woher bekomme ich inmitten dieser Situation Hoffnung und die Energie zum Weitermachen?

Wahrscheinlich bin ich wirklich privilegiert, denn meine Arbeit erfüllt mich jeden Tag von Neuem mit Staunen und Fröhlichkeit! Mit den Kindern zu singen, zu tanzen, Bilder zu besehen und Worte zu lernen, ist einfach wunderbar. Der Enthusiasmus und die Faszination, mit der sie etwas Neues entdecken oder ausprobieren, das Vertrauen mit dem sie sich an uns Erzieherinnen wenden... Und auch die Beziehung mit ihren Eltern, besonders den Müttern, ist mir wichtig. Auch wenn es natürlich auch schwierige Tage gibt, sie in den Wechselfällen ihres Lebens ein Stück zu begleiten und uns gemeinsam am Aufwachsen ihrer Kinder zu freuen, ist noch ein Geschenk, das mir meine Arbeit täglich macht.

Und durch das Engagement meiner Tochter habe ich dieses Jahr etwas Neues für mich selbst entdeckt: Das „teatro comunitario“ (Laientheater, das sich mit den spezifischen Problemen eines Gemeinwesens auseinandersetzt). In der Gruppe sind alle möglichen Altersschichten vertreten. Dieses Jahr haben wir im Oktober sogar an dem bundesweiten Treffen von Gruppen aus allen Provinzen Argentiniens teilgenommen. An dieser Aktivität habe ich viel Freude und entdecke mich selbst in einem neuen Zusammenhang – das ist sehr bewegend und begeisternd!“

Aus Quilmes zum Advent 2016

Jorgelina mit Antonella und den Zwillingen Ivan und Santiago

Jorgelina vor 4 Jahren bei der großen Demonstration am 1. 11. 2012 gegen die Zahlungeinstellung bzw. enorme Verzögerung des Zuschusses aus dem Landessozialministerium – Ivan und Santiago waren auch mit dabei, allerdings in Jorgelinas Bauch. Den Stuhl hatten wir extra für sie mitgenommen...

“Das Volk das im Finstern wandert, sieht ein großes Licht; über denen, die das Todesschattenland bewohnen, geht ein Licht auf.”

In diesem Jahr steht für uns die Adventszeit unter dem Gedanken: „Spuren der Hoffnung finden“.

Wir möchten hoffen - aber wie? Die Frauen in unseren Kindertagesstätten leben in der Mehrzahl in unglaublich schwierigen Verhältnissen, bestimmt können sie uns etwas über die Quellen ihrer Hoffnung und ihres Beharrens sagen.

Jorgelina Perez ist Ihnen allen schon oft begegnet. Einige haben sie sogar einmal in ihrer Hütte besucht... Inzwischen wohnt sie nicht mehr dort, sondern im benachbarten Elendsviertel „Villa del Monte“. Und sie ist inzwischen 35 Jahre alt und Mutter von 6 Kindern: Rocío ist 14, Florencia 11, Agustina 9, Antonella 6 und die Zwillinge Santiago und Ivan werden an diesem 4. Adventssonntag vier Jahre alt. Alle haben die ersten Jahre ihres Lebens in unseren Kindertagesstätten verbracht, wie übrigens vor über 30 Jahren Jorgenlina selbst. Antonella war eines der Kinder, deren Entlassungsfeier am 24. November stattfand.

Jorgelina ist nach wie vor mit Fabian, 34, zusammen. Vor einigen Jahren ging es ihm gar nicht gut, er hatte begonnen Paco zu konsumieren, die Armutsdroge, aus Kokainabfällen gepanscht, schwer süchtig machend und in kurzer Zeit zu fast irreversiblen Gesundheitsschäden führend. Aber mit Hilfe von Jorgelina konnte er davon loskommen, „nur manchmal gibt‘s noch einen kleinen Ausrutscher...“ sagt sie.

Den Lebensunterhalt für ihre 8köpfige Familie verdienen Jorgelina und Fabian gemeinsam – er als Gelegenheitsarbeiter, Maurer und ähnliche Aufträge, Jorgelina seit Mitte letzten Jahres in einer Reinigungsfirma. „Seit ein paar Monaten bin ich richtig fest angestellt, mit Sozialabgaben, Krankenversicherung (obwohl die nicht besonders gut ist) und Kindergeld. Meine Arbeitszeit ist von 6 Uhr morgens bis 14 Uhr – das ist natürlich ziemlich früh, je nachdem wo meine Putzkolonne eingesetzt wird. Aber dafür habe ich den Nachmittag und Abend für die Familie. 5 Tage hintereinander arbeite ich, dann habe ich einen Tag frei. Ganz egal ob Wochenende oder welcher Tag, der Rhythmus ist dieser...“

Wie war das Jahr 2016 für Jorgelina?

„ Diese letzten zwölf Monat waren für uns viel schwieriger als wir dachten... alles ist so unwahrscheinlich viel teurer geworden. Ein T-Shirt, eine Jogginghose oder ein paar neue Turnschuhe – alles kostet so unglaublich viel, die Arbeitslöhne sind viel weniger gestiegen. Wenn ich etwas zum Anziehen für die Kinder kaufen muss, fahre ich nach Buenos Aires in eine Gegend, wo Konfektion für Einzelhandel verkauft wird – ich muss ja sowieso immer mehrere Teile kaufen, da bekomme ich dann schon den Großhandelspreis (die Fahrt dorthin dauert allerdings von Quilmes aus mindestens zwei Stunden).

Wir wohnen in einer Hütte, die nur zwei Räume hat. In dem einen schlafen die Kinder, den anderen haben wir unterteilt, um einen Schlafplatz für Fabian und mich zu haben, der andere Teil wird als Koch- und Essraum benutzt. Die drei ältesten Mädchen schlafen umschichtig bei meiner Schwiegermutter, sie hat eine Hütte ganz dicht bei uns und hilft mir überhaupt viel. Aber die Mädchen werden größer und brauchen einen kleinen eigenen Raum. Darum möchten wir auf unsere Hütte einen ersten Stock bauen, mit zwei Räumen und einem zweiten Bad. Wenn wir zu acht im Haus sind, gibt es oft ein Riesengerangel darum, wer das Bad benutzen darf... Die geplanten Räume sollen jeweils zwei der Mädchen zusammen bewohnen. Aber wir hatten riesiges Pech: gerade hatten wir die Träger für den Aufbau begonnen, als innerhalb von 3 Monaten erst unsere Wäscheschleuder durchbrannte, dann der Fernseher, unser elektrischer Tischgrill ( viele Familien benutzen so ein Gerät, weil sie keinen richtigen Backofen haben) und schließlich auch noch der Kühlschrank. Natürlich reichten unsere Rücklagen nur dazu, um gebrauchte Geräte zu kaufen – aber mit den Bauprojekten war es erstmal vorbei.

Dass unsere Kinder etwas mehr Platz haben, das ist so nötig und liegt mir sehr auf der Seele. Ich hoffe, dass wir im kommenden Jahr das Bauprojekt wieder aufnehmen und weiterführen können.

Dass meine Kinder alle gesund und fröhlich heranwachsen, das ist mein größter Wunsch, mein Motor und darauf hoffe ich, aber dafür arbeite ich auch! Die älteren Mädchen machen in verschiedenen Gruppen in einer Gemeinschaftseinrichtung hier in der Nähe mit – Musik, Spiel- und Bastelgruppen. Wenn ich sehe, wie viel Freude sie daran haben, geht mir das Herz auf. Ich selbst habe übrigens dort letztes Jahr meinen Sekundarschulabschluss gemacht! Und im nächsten Jahr möchte ich gerne beim Roten Kreuz eine Fortbildung als Röntgenassistentin machen. Der Kurs findet abends statt, das würde also gut passen. Mein Bruder Oscar hat gesagt, er will mich dabei ein wenig finanziell unterstützen, denn umsonst ist diese Ausbildung nicht. So viele Jahre habe ich außer den Kindern und wie den Lebensunterhalt zusammen zu bekommen an gar nichts anderes denken können – dass ich jetzt überhaupt an etwas für mich selber denken kann, gibt mir eine Menge Hoffnung und Kraft! Und zu wissen, dass ich auf die Kindertagesstätte zählen kann, auf das Zuhören, die Anteilnahme und auch Beratung durch die Erzieherinnen und alle Mitarbeiterinnen – auch das macht mir Mut, dass schon ein Licht für uns aufgehen wird. Wie wichtig diese Einrichtung für mich und meine Familie ist, das kann ich gar nicht in Worte fassen...

Aus Quilmes zum Advent 2016

Auf dem Foto vom Tage der Kindergarten-Entlassungsfeier, von links nach rechts: Julika (Freiwillige aus Deutschland), Andrea, Mario und Mara, Erzieherin Andrea und Leiterin Alejandra.

“Das Volk das im Finstern wandert, sieht ein großes Licht; über denen, die das Todesschattenland bewohnen, geht ein Licht auf.”

In diesem Jahr steht für uns die Adventszeit unter dem Gedanken: „Spuren der Hoffnung finden“.

Wir möchten hoffen - aber wie? Die Frauen in unseren Kindertagesstätten leben in der Mehrzahl in unglaublich schwierigen Verhältnissen, bestimmt können sie uns etwas über die Quellen ihrer Hoffnung und ihres Beharrens sagen.

Andrea Ortiz ist Krankenschwester und arbeitet in einem der kleinen Zentren, mit denen die Kommunalverwaltung ganz elementare, primäre Gesundheitsbetreuung in die Elendsviertel bringt. Immer wieder hat sie uns in diesem Jahr davon erzählt, wie es an allem fehlt: Verbandszeug, Spritzen, Medikamenten, und schließlich zunehmend an Ärzten – denn die Bezahlung ist schlecht und die Arbeitsbedingungen nicht sehr verlockend... in vielen dieser Stationen kommt kein Kinderarzt/ärztin, keine Gynäkologin mehr, praktische Ärzte nur wenige Stunden an einem oder zwei Tagen... die unweigerliche Folge ist, dass die Menschen bei Gesundheitsproblemen entscheiden müssen, sich bis zum städtischen Krankenhaus zu begeben – oder erstmal zu warten ob, die Beschwerden von alleine wieder verschwinden...

Andrea schreibt uns zum Dritten Adventssonntag:

„Mein Name ist Andrea, ich bin 36 Jahre alt, mein Partner heißt Mario, er arbeitet bei einer Speditionsfirma als Lastwagenfahrer. Wir sind relativ „alte“ Eltern, unsere einzige Tochter Mara ist jetzt 6 Jahre alt.

Für unsere Eltern und Großeltern war es eine ganz klare Sache: Im Leben muss man sich ernsthaft ein Ziel vornehmen, sich darauf konzentrieren und richtig anstrengen – das ist der Weg, um weiter zu kommen, etwas zu erreichen. Darüber haben sie gar nicht so viel geredet, es war kein Lehren mit Worten, das hätten sie gar nicht gekonnt. Sie haben einfach so gelebt und uns dadurch ihre Ideen und Werte weitergegeben: zum Leben gehört es, dass man sich ernsthaft für ein Ziel einsetzt.

Heute sind wir verstrickt in die verrückten Lebensbedingungen einer widersprüchlichen Welt: Zwar haben wir die Globalisierung, aber das bedeutet keineswegs mehr Gleichheit: wir leben inmitten von Millionen von Personen, denen eine angemessene Wohnung, eine vernünftige Erziehung und Ausbildung vorenthalten werden. Der Gedanke vom sozialen Aufstieg, der für unsere Großeltern und Eltern der Motor ihrer Anstrengungen war, ist zu einem unerreichbaren Traum für die meisten Menschen geworden.

Obwohl wir in – virtueller – Kommunikation fast ertrinken, gibt es weniger zu einer Umarmung, zum Beschützen ausgestreckte Hände – und dabei so viele Menschen, die sich danach sehnen.

In dieser Szenarium, nach einem unglaubliche schweren Jahr kommt nun der Monat Dezember, die Wochen vor Weihnachten... ein Monat des Wartens wie bei einer Schwangerschaft, auf das Neue und Unerwartete. So wie jedes Kind, das zur Welt kommt, uns wie mit einem Spiegel unsere eigene Hilflosigkeit und Bedürftigkeit vor Augen hält, aber auch die verborgenen Kräfte, die schlummernden Möglichkeiten. Für mich sind diese Wochen eine Zeit des inneren Saubermachens, ich versuche aufzuräumen mit den Unwahrheiten, dem Nachtragen, dem Aus der Haut Fahren. Ich versuche, mich mehr und bewusster auf die kleinen Wunder des Alltags zu konzentrieren: ein Regenbogen, ein Schmetterling – und ich versuche, auch Mara diese Dinge nahezubringen. Eine kleine Entdeckung, die mit Überraschung und Staunen füllt - ich bin sicher, dass darin Nahrung für die Seele liegt – und diese Nahrung muss nicht mit viel Geld bezahlt werden, sie ist für alle zugänglich. Ich möchte, dass Mara weiß, dass ihr die niemand wegnehmen kann!

Für mich ist dieses Innehalten, mich öffnen für die kleinen Momente der Überraschung und des Staunens, die Grundlage für alle Hoffnung für die Zukunft. Und meine Tochter Mara ist sicherlich die wichtigste Quelle solcher Momente der Hoffnung für mich und Mario: wenn sie erzählt, was sie in der Kindertagesstätte erlebt hat, uns voller Stolz zeigt, was sie gemalt oder gebastelt hat. Oder von einer schwierigen Situation in der Gruppe und wie sie sie gemeinsam gemeistert haben...

Ich komme aus einer sehr bescheidenen Familie und einem sehr armen Wohnviertel – das macht, dass ich jeden Tag empfinde, wie Gott mir die Möglichkeit schenkt, aus meinem eigenen Haus einen Ort der Liebe und des Respekts zu machen. Mein grösster Wunsch ist es, unsere Tochter weiter so fröhlich und neugierig heranwachsen zu sehen, dass sie sich entfalten kann und ihren eignen Weg finden und auch gehen kann.

Ich bin überzeugt davon: Gut zu Denken und zu Handeln ist eine ansteckende Kraft, die dasselbe auch in anderen wecken kann. Auch darauf beruht meine Hoffnung!

Aus Quilmes zum Advent 2016

“Das Volk das im Finstern wandert, sieht ein großes Licht; über denen, die das Todesschattenland bewohnen, geht ein Licht auf.”

In diesem Jahr steht für uns die Adventszeit unter dem Gedanken: „Spuren der Hoffnung finden“.

Wir möchten hoffen - aber wie? Die Frauen in unseren Kindertagesstätten leben in der Mehrzahl in unglaublich schwierigen Verhältnissen, bestimmt können sie uns etwas über die Quellen ihrer Hoffnung und ihres Beharrens sagen.

Zum Zweiten Adventssonntag erzählt uns Vanesa Aquino (auf dem Foto mit Sohn Benizio):

Ich wohne in der Villa del Monte (einem großen Elendsviertel in Quilmes) zusammen mit meiner Mutter, meinen drei jüngeren Geschwistern und meinen beiden Kindern, Die ältere ist Luz, 6 Jahre alt und geht in die erste Klasse der Primarschule. Mein Kleiner heißt Benizio und ist 2 Jahre alt, er gehört in der Kindertagesstätte bis zum Beginn des kommenden Jahres zur Babygruppe. Ich selbst bin 27 Jahre alt, . Meine Mutter ist 47 Jahre alt und arbeitet als Haushaltshilfe Mein Vater hat sich schon vor einigen Jahren von ihr getrennt, seitdem haben wir kaum Kontakt. Nach mir kommen zwei Brüder von 20 und 18 Jahren, und meine jüngste Schwester ist 9 Jahre alt, sie geht in die vierte Klasse der Primarschule. Das grosse Problem sind meine beiden Brüder, sie sind nach und nach in den Drogenkonsum gerutscht. Der Ältere von beiden ist schon zu gar nichts mehr zu gebrauchen, er arbeitet nichts, aber verlangt immer Geld von meiner Mutter und mir... oder er nimmt es einfach. Der jüngere hat eine Rehabilitation hinter sich und möchte die Schule wieder aufnehmen, wir hoffen so sehr, dass er sich von seinem Bruder nicht wieder davon abbringen lässt.

Zu unserem Lebensunterhalt versuche ich beizutragen, indem ich von montags bis freitags vormittags als ambulante Verkäuferin in der Fußgängerstraße im Zentrum von Quilmes Backwerk verkaufe – Medialunas (eine in Argentinien sehr verbreitete Art Croissons) und andere Kuchenteilchen. Am Wochenende arbeite ich in einem großen Outlet-Center an einem Wäschestand, von 9:00 morgens bis 21:00 abends an den Sonnabenden und Sonntagen. An diesen Tage passt meine Mutter oder meine kleine Schwester auf meine Kinder auf.

Weil diese beiden Arbeiten unoffiziell sind („schwarz“ d.h. keine Sozialversicherung usw) bekomme ich außerdem die staatliche Unterstützung für Kinder von unbemittelten Familien. Das sind pro Kind nicht ganz 900 Pesos (umgerechnet etwa 50 Euros). Außerdem versuche ich, von dem Vater von Luz und Benizio Alimente zu bekommen. Er ist Fußballspieler und als solcher fest angestellt. Die Sache mit den Alimenten läuft über das Gericht, das ist ziemlich umständlich. Aber ich war schon so weit, dass der Club bei dem er spielte, die amtliche Benachrichtigung bekommen sollte. Da wurde Jorge an einen Fußballclub in der Provinz San Luis verkauft - und seitdem habe ich überhaupt keinen Kontakt mehr mit ihm. Trotzdem werde ich nicht aufgeben, nur ist alles noch viel komplizierter von einer Provinz zur anderen.

Was gibt mir Hoffnung inmitten so vieler Schwierigkeiten?

Luz und Benizio sind mein Motor, ich brauche sie nur anzusehen oder an sie zu denken. Es soll ihnen so gut wie möglich gehen, das ist das Wichtigste, viel wichtiger als alles andere. Wenn es mir am Wochenende manchmal schwer fällt aufzustehen und für zwölf Stunden in den Outlet zu gehen, rufe ich mir ins Bewusstsein, was sie nötig brauchen – neue Schuhe oder Anziehsachen – da verschwindet die Müdigkeit gleich.

Und ich habe schon seit Jahren einen Traum: Ich möchte die Ausbildung als Krankenschwester machen. Letztes Jahr hatte ich schon alle Unterlagen gesammelt, um mich einzuschreiben, aber dann ging es doch nicht, weil niemand da war um auf Benizio aufzupassen – da hatte er noch keinen Platz in der Kindertagesstätte. Aber nächstes Jahr müsste es klappen, denn jetzt wird er ja 8 Stunden täglich betreut. Als Krankenschwester hätte ich viel bessere Einkommensmöglichkeiten... und die Arbeit interessiert mich wirklich. Ich freue mich darauf, dass mein Traum Wirklichkeit werden kann!

Guter Kontakt zur Kindertagesstätte in Quilmes

Quilmes ist ein "Vorort" im Süden der Millionenmetropole Buenos Aires. Mehr als 400.000 Menschen leben hier. Die kleine deutsch-evangelische Gemeinde in Quilmes hat angesichts der Not der ärmsten Familien im benachbarten Slumgebiet ihr ehemaliges Gemeindehaus umgewidmet zu einer KiTa für ca. 120 Kinder.

Die Leiterin, Claudia Lohff-Blatezky, war schon mehrfach bei uns und hat immer wieder von der aktuellen Situation erzählt. In der Adventszeit erreichen uns "Briefe auf dem Weg zur Krippe", zu Ostern oder Pfingsten oder zum Gemeindefest kommen Grüße von dort per Email.  

Wir sind dankbar für diesen Kontakt und empfinden ihn keineswegs nur als Einbahnstraße einer finanziellen Unterstützung. Natürlich ist jeder Euro, den wir dorthin geben können, dort sinnvoll und nötig. Aber wir empfangen auch vieles aus dieser Partnerschaft.

"Wir sind arm, aber wir haben ein Herz füreinander". Allein dieses Zitat aus Quilmes gibt uns immer wieder Grund zum Nachdenken über das, was wirklich wichtig ist.  

Wenn Sie uns helfen wollen, die KiTa in Quilmes zu unterstützen, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit dem Stichwort QUILMES auf unser Konto DE98 6415 0020 0000 1531 91 bei der KSK Tübingen. Eine Zuwendungsbestätigung wird Ihnen selbstverständlich zugesandt.

Bilder der Kindertagesstätte Quilmes