IGLESIA EVANGÉLICA DEL RÍO DE LA PLATA

 

CONGREGACIÓN EVANGÉLICA ARGENTINO-GERMANA, BUENOS AIRES SUR

Gegründet 12.4.1898

25 de Mayo 24 (1878) Quilmes Tel./Fax +54-11-4254 6578

Emailadresse: jardinesquilmesdontospamme@gowaway.hotmail.com

Kindertagesstätten "Los Angelitos" und "El Arca de los Niños"

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Kindertagesstätten!

Quilmes, 23. März 2021

Schon sind die ersten 3 Monate dieses Jahres vergangen – was hat sich bei uns in dieser Zeit getan?

Im Jahresrhythmus sind Januar und Februar als Hochsommermonate üblicherweise Ferienzeit, diese Wochen werden für Reparaturen und Instandhaltung verwendet – weil ja keine Kinder kommen. Das war bei uns ja das ganze letzte Jahr seit dem 20. März nicht möglich – und bisher ist es das noch immer nicht, aus verschiedenen Gründen.

In unserer Kinderarche (3 bis 6jährige), weil das Gebäude seit Beginn November einem Umbau unterzogen wird. Im Rahmen eines staatlichen Programms wurde uns eine Finanzierung dafür bewilligt. Die Freude über die zukünftigen baulichen Verbesserungen ist untermischt mit der Wehmut über die dazu notwendige „Zerstörung“ unserer vertrauten Räume. In von so viel radikaler Veränderung geprägten Zeiten bekommt das Bestehende eine zusätzliche Bedeutung – und alles was sich wie ein Verlust anfühlt, wiegt gegenwärtig besonders schwer.

Wir trösten uns mit den gegenwärtig möglichen Aktivitäten: Nach wie vor finden die regelmäßigen Verteilungen von Lebensmitteln und Lernmaterial statt. Die täglichen Kontakte jeder Erzieherin mit den Familien ihrer Gruppe – und vor allem mit den Kindern! per Whatsapp werden seit Anfang März, dem Datum der von der Schulbehörde verfügten Rückkehr zum Präsenzuntericht,durch wöchentlich zwei Video-Anrufe in Kleingruppen verstärkt. Momente einer Interaktion, die von allen Beteiligten genossen werden!
Zur Vorstellung und Vorbereitung dieser neuen Dimension wurden die Familien = pro Kind ein Erwachsener – im Februar zu einer Besprechung im Kindergarten eingeladen, jeweils 4 Kind/Erwachsenen-Doppel auf einmal, mit Temperaturmessen und Desinfektion am Eingang.

Die in der Armut der Familien begründeten Schwierigkeiten der virtuellen Kommunikation sind freilich nicht überwunden – Es fehlt in vielen Familien an Endgeräten, am Internetzugang... und nicht selten einfach an einem einigermaßen ruhigen Eckchen. Und manche besonders schwierige Themen erfordern einfach ein vertrauliches Gespräch „unter 4 Augen“ bei dem die Gesprächspartner persönlich anwesend sind.

Für die schon erwähnte Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts ab 1.3. hat die Schulbehörde natürlich ein umfängliches, auch für unsere Arbeit verbindliches Regelwerk in Umlauf gebracht. Die zentralen, universellen Anforderungen: Abstand, Maske, häufiges Lüften, Desinfektion und Hygiene der Klassen- bzw. Gruppenräume werden bei uns ergänzt durch das verpflichtende Temperaturmessen sowohl für Mitarbeiter als auch Kinder beim Eingang mit der Maßgabe „ab 37.5 Grad Körpertemperatur kein Eintritt“. Dazu kommt eine eidesstattliche Erklärung, dass in der Familie keine bestätigte oder vermutete Corona-Infektion vorgekommen ist, die von den Eltern „im Prinzip“ alle 48 Stunden erneut zu unterschreiben ist.

Wie diese Vorschriften im Einzelnen in unserer Krippengruppe umgesetzt werden könnten, damit setzen sich zur Zeit die Erzieherinnen dieser Abteilung auseinander. Dabei liegt das Abstandsgebot im kompletten Widerspruch mit dem für die Betreuung von Kindern unter 3 Jahren völlig unverzichtbaren Erfordernis körperlicher Nähe.Das gleiche gilt für die verpflichtende Maximalzeit von vier Stunden pro Betreuungstag, der zur Situation der Familien so viel weniger beiträgt, als nötig wäre. Und so haben wir bei der Ausarbeitung unseres Betreuungskonzepts im Rahmen dieser Einschränkungen gegenwärtig viel mehr Zweifel und Ungewissheiten als Lösungsideen. Die kontinuierliche Verschlechterung der sozialen Situation über Jahrzehnte, gepaart mit dem Mangel an nachhaltigen Investitionen in das soziale Netz im gleichen Zeitraum, führen heute dazu dass die Pandemie die Armen so unvergleichlich viel härter trifft. In vielen Familien fehlt es am nötigen Geld für Windeln oder Milch, um wie viel mehr für Masken oder Desinfektionsmittel!

Nach Ostern werden wir langsam beginnen; noch ist es möglich, sich viel im Freien aufzuhalten und so sind auch unsere ersten Tage geplant. Aber bei Regen und wenn es nach und nach kühler wird – hier beginnt ja der Herbst - werden wir sehen müssen, wie es weitergehen kann.

Inmitten so vieler Unsicherheiten setzen wir Hoffnungen auf die Impfung. Argentinien hat mit der Impfkampagne im Januar bei den Angehörigen des Gesundheitswesens begonnen, im Februar mit Senioren über 70 und im März dann mit Lehrerinnen und anderem Personal aus dem Bereich Erziehung. Verzögernd wirkt dabei die Schwierigkeit, genügend Impfstoff zu erhalten. Einmal mehr kommt das Gefälle im globalen Gesamt auch hier zum Tragen.

Traditionell haben sich die Menschen in Lateinamerika immer im Passionsgeschehen wieder gefunden – leichter als in der Osterbotschaft. Auch in diesem Jahr ist es nicht anders – aber wir sehnen uns nach dem Vertrauen auf eine Auferstehung aus allem, was uns heute Leid schafft. Und wir sind gewiss, dass uns diese Sehnsucht über die Entfernung hin mit Ihnen vereint.

„Jesus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben“ lautet eine der Losungen des Ostersonntags. Wir wünschen Ihnen und uns, dass dieser Zuspruch für jeden von uns zur Gewissheit werde.

In alter und neu befestigter Verbundenheit

Claudia Lohff-Blatezky

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Kindertagesstätten!

Quilmes, 23. Dezember 2020

Eben habe ich noch einmal die Zeilen gelesen, die ich zu Beginn dieses Jahres verschickt habe.
„Solidarität, Gerechtigkeit und Unterstützung der sozial Schwächsten sind Ziele, denen uns dieses 2020 hoffentlich trotzdem näher bringen wird.“ habe ich da geschrieben.

Dieses ganze Jahr haben wir in vielfacher Weise erlebt und uns damit auseiander gesetzt wie völlig anders alles unter den Bedingungen der Pandemie ist. Am 16. März mussten wir unsere gewohnten Aktivitäten aussetzen und haben sie seitdem nicht wieder aufnehmen können.

Monat um Monat haben wir die Familien so begleitet wie es uns möglich war: materiell mit Lebensmittelpaketen, Spiel- und Bastelmaterial für die Kinder, Decken und warmer Bekleidung in den Wintermonaten, kleine Geschenke für die Kinder als Zeichen, dass wir an sie denken... Ebenso wichtig war die tägliche Online-Begegnung mit den Erzieherinnen, die gemeinsamen Projekte, nun nicht als Gruppe in der Einrichtung sondern jedes Kind für sich zu Hause – aber dann zu einem gemeinsamen kleinen Video zusammengestellt und mit allen geteilt – und auf diese Weise bekamen die Kinder auch ihre Freundinnen und Freunde wieder zu sehen.

Ganz wichtig: Zuhören und Beraten! Sowohl in den täglichen Whatsapp-Kontakten aber auch in besonderen Telefongesprächen und persönlich bei Gelegenheit der Ausgabe von Unterstützung. Die Bedeutung unserer Präsenz haben die Frauen immer wieder hervorgehoben und jetzt zum Jahresabschluss, der ja bei uns mit dem Schuljahresende zusammenfällt ganz besonders: „Unvorstellbar, wie ich dieses Jahr ohne euch hätte durchstehen können!“ „Danke dafür dass ihr immer für mich da wart“; „zu wissen, dass ich auf euch zählen kann, hat mir immer wieder Mut gemacht“ – solche Rückmeldungen bewegen uns zutiefst. Denn natürlich hat sich auch unser Team jeden Tag mit den Einschränkungen und Unmöglichkeiten, mit dem Verlust eines grosen Teils der eigenen Identität auseinandersetzen müssen – und muss es noch.

Denn auch wenn allmählich die Impfung gegen den Virus in greifbare Nähe rückt, fehlt noch viel bis die Wiederaufnahme des gewohnten Betriebes begonnen werden kann – gerade weil in den Familien so wenig reale Möglichkeiten für die Mindest-Prävention besteht. Die bisher in unserem Bundesland veröffentlichen Regeln für die Wiederaufnahme gewisser Aktivitäten sind für unsere Arbeit nicht umsetzbar – allein der „Mindestabstand von 2 Metern“ ist bei der Betreuung von Vorschulkindern unmöglich.

Gleichwohl haben wir seit Beginn des Monats November Anmeldungen durchgeführt und die zur Verfügung stehenden Plätze sind alle vergeben. Die Zukunft wird zeigen, wann und in welchem Umfang wir die Aktivitäten in der Einrichtung wieder aufnehmen können.

„Solidarität, Gerechtigkeit und Unterstützung der sozial Schwächsten sind Ziele, denen uns dieses 2020 hoffentlich trotzdem näher bringen wird.“ – diese Hoffnung stand am Beginn des Jahres. Wenn wir jetzt auf die hinter uns liegenden Monate blicken, stellen wir fest: ¨Wenn auch in völlig anderer Weise - diese Hoffnung hat sich erfüllt! Im Laufe der Wochen und Monate haben wir uns immer wieder mit dem so jähen und tiefgreifenden Verlust vieler als selbstverständlich vorausgesetzter Umstände, Bedingungen, Möglichkeiten auseinander setzen müssen. Das ist nur möglich gewesen weil wir Solidarität, Gerechtigkeit und Unterstützung empfangen haben und sie deshalb selber üben konnten. Sich in einer Katastrophensituation nicht nur passiv als Opfer zu erfahren, sondern im Stande etwas zu tun, was die Situation in irgendeiner Weise verbessert – das ist heilend und hoffnungsspendend.

Die Unterstützung von Ihnen hat uns dabei entscheidend geholfen! Inmitten alles Drunter und Drübers haben Sie uns gestützt und mit Ihrer Anteilnahme, Ihren Fürbitten und materiellem Zur-Seite-Stehen gestärkt. Worte sind völlig unzureichend um auszudrücken wie tröstlich und wichtig jedes Zeichen der Anteilnahme für uns war und weiterhin ist. Ganz von selbst fallen mir die Zeilen dieses Liedes ein:

Wir haben Gottes Spuren festgestellt
auf unsern Menschenstraßen,
Liebe und Wärme in der kalten Welt,
Hoffnung, die wir fast vergaßen
.

Viele Bibeltexte, aber eben auch Lieder wie dieses, altbekannt und deshalb manchmal fast „verschlissen“, haben in diesem Jahr plötzlich neue Kraft bekommen. Wir haben voller Staunen feststellen können, dass sie Dinge nennen, die wir tatsächlich erleben. Und bei anderen spüren wir mit großer Intensität, wie sehr wir uns danach sehnen, dass sie konkret erlebbar werden – wie diese Zeile aus dem Weihnachtsevangelium:

Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude!

Wir beten um die Überwindung der Furcht, wir beten um Freude – und wir sind uns gewiss, dass wir gemeinsam mit Ihnen beten.

In dieser Gewissheit senden wir unsere Wünsche für behütete, getröstete Weihnachtstage an Sie alle.

In herzlicher Verbundenheit
Claudia Lohff-Blatezky

Unter diesem Link

https://drive.google.com/file/d/1Ccd2wXAiUTQRytudDaIq6CoF9wDJjNhX/view?usp=sharing

ist ein kleines Weihnachtsvideo zu finden, von den Erzieherinnen der Kinderarche für die Familien erdacht und produziert.

Liebe Freundinnen und Freunde in Deutschland

„Was ist wichtiger, der Weg oder das Ziel?“ fragte der große Panda. „die Begleitung (Gesellschaft)“ antwortete der kleine Drache.

September 2020

Vergangene Woche haben wir hier den „Tag der Lehrenden“ begangen – ursprünglich ein Gedenktag für Domingo F. Sarmiento, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Einführung der allgemeinen, unentgeltlichen und laizistischen Schulbildung zu einem seiner Hauptanliegen machte. 1884 wurde sie in Argentinien zum Gesetz.Traditionell haben an diesem Tag die Teams von Schulen und Kindereinrichtungen frei und unternehmen etwas gemeinsam, etwa einen Ausflug oder Essen gehen.

 

 

Das Plakat am Eingang zur Kindertagesstätte für die Kleinsten - ein Gruß zum Frühlingsanfang am 21. September und eine Erinnerung an die Schutzregeln, für das Abstandhalten bei der Lebensmittelausgabe und für jeden Tag.

In diesem Jahr ist auch das ganz anders gewesen. Denn nach wie vor sind alle öffentlichen Einrichtungen, Schulen und Kindertageseinrichtungen geschlossen. Seit dem Monat Juni sind die täglichen Ansteckungszahlen kontinuierlich gestiegen und haben sich für den Ballungsraum Groß-Buenos Aires auf einem beunruhigend hohen Niveau eingependelt. Immer sind es um die 11.000 neue Fälle, und die Auslastung der Krankenhäuser und speziell der Intensivstationen bedrohlich hoch. Nach der Konzentration auf den Großraum Buenos Aires gibt es in den letzten Wochen mehr und mehr Ansteckungen in den Bundesländern – und in den kleineren Städten, gar auf dem Land ist die sanitäre Ausstattung völlig unzureichend. Überhaupt lässt diese Seuche alles überdeutlich werden, was seit jeher im Argen lag und liegt.

Für den Bereich Erziehung gilt das ganz besonders: marode Gebäude, zu hohe Schülerzahlen, mangelhafte hygienische Ausstattung und Mobiliar, usw... unvorstellbar, unter diesen Bedingungen die Aktivitäten wieder aufzunehmen. Eine weitere Hürde: die öffentlichen Verkehrsmittel, einzige Option der armen Bevölkerung, und weit entfernt davon auch nur einigermaßen hygienische Mindestanforderungen zu erfüllen. Gegenwärtig sind sie noch ausschließlich den Personen vorbehalten, die in „essentiellen Berufen“ tätig sind.

Dieses Foto ist in unserem Gruppenraum für die Kleinsten "Sala Ranitas" (Fröschleingruppe) aufgenommen: Lebensmittel werden für die monatliche Ausgabe zusammengestellt.

In Quilmes, der Stadt mit knapp 600.000 Einwohnern sind seit März 23.400 Ansteckungen und 470 Todesfälle offiziell bestätigt worden. Aber gerade in den Armenvierteln gibt es viele Personen die sich nicht melden, aus Angst interniert zu werden. Auch Mütter unserer Kindertagesstätten: „wer kümmert sich um meine Kinder, wenn sie mich zur Isolierung dabehalten? Lieber bleibe ich zu Hause bis es mir wieder gut geht“ so und ähnliche Nachrichten bekommen die Erzieherinnen immer wieder.

Mittlerweile haben wir eine feste Routine der Kommunikation mit den Familien unserer beiden Häuser. Jeden Vormittag versenden die Erzieherinnen Geschichten, Lieder, Grüße und Anregungen für Aktivitäten. Und sie stehen zur Verfügung für Fragen, Sorgen und Zweifel. Unser Beratungsteam mit Psychologin und Sozialarbeiterin kümmert sich um konkrete Problemlösungen bei Beantragungen und Schwierigkeiten in Sachen Sozialhilfe (spärlich und ungenügend, aber unentbehrlich). Die größte Hürde dabei ist, dass viele Familien keinen oder nur ganz beschränkten Internetzugang haben. Oft gibt es nur ein Handy im Haus und mit dem müssen alle Familienmitglieder auskommen. Die Verbesserung dieser Situation ist ein prioritäres Anliegen an die staatlichen Stellen - für uns ebenso wie für alle Geschwister-Organisationen, die in denselben Armutssituationen arbeiten.

Ein Kindergartenkind bei sich zu Hause, wie es mit den Materialien malt, die wir mit den Lebensmitteln verteilen.

Zu unseren Kontakten mit den Familien gehört nach wie vor die monatliche Ausgabe einer größeren Menge von Lebensmitteln, Hygieneartikel, Spiel und Bastelmaterial und der von der Schulbehörde in unregelmäßigen Abständen zur Verfügung gestellten Aktivitätenhefte. Immer bereiten die Erzieherinnen außerdem ein kleines Geschenk für die Kinder vor.

Die Vorbereitung und Durchführung nimmt viel Energie in Anspruch – und die Begegnung mit den Familien ist gleichzeitig so wichtig und so unzureichend, um etwas von der von beiden Seiten schmerzlich vermisste Kommunikation aufzuholen – Fotos und Sprachnachrichten per Whatsapp können die menschliche Gegenwart natürlich nicht ersetzen. Das Bild oben (von unserer Grußkarte für die Mitarbeiterinnen zum „Tag der Erziehenden“) spricht davon: „Was ist wichtiger, der Weg oder das Ziel?“ fragte der große Panda. „die Begleitung (Gesellschaft)“ antwortete der kleine Drache.

Wie wir uns gegenseitig begleiten, den so ungewissen Weg gemeinsam weiter gehen können, darum geht es jeden Tag aufs Neue. Und darum geht es auch in unserer Beziehung zu Ihnen, zu Euch. Inmitten so vieler Ungewissheiten bei uns wie bei Ihnen ist unsere Verbundenheit ein Fenster, dass wir hin und her öffnen können, wie tröstlich!

Wohin auch immer uns die kommenden Wochen führen mögen, lassen Sie uns daran auch weiterhin festhalten.

Im Namen der Familien, unseres Mitarbeiterinnenteams und unserer Gemeinde senden wir ganz herzliche Grüße aus Quilmes.

Claudia Lohff-Blatezky

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Kindertagesstätten

April 2020

Noch ist keine Ende der Ausgangsbeschränkungen abzusehen, aber wir wissen schon, dass jede Art von Schulbetrieb uä. zu den Aktivitäten gehört, die als letzte wieder zur Normalität zurückkehren werden.

Was das im Einzelnen für unsere Arbeit bedeutet, können wir nur Stück für Stück begreifen.... aber zwei Dinge wissen wir mit Sicherheit schon jetzt:

Wir tun alles uns Mögliche, um die Beziehung zu den Kindern und ihren Familien lebendig zu halten und sie spüren zu lassen, dass wir sie  nicht vergessen, dass wir für sie da sind. In diesem Sinne der angehängte Video-Gruß, den wir per Facebook und Whatsapp weitergeben und dessen Übersetzung wir unten anfügen.

Und zweitens: Mehr als je ist die Unterstützung aus Deutschland unentbehrlich damit wir weiterbestehen und - wenn es erst einmal so weit sein wird - unsere Türen wieder weit öffnen können. Die Überbrückung der Zeit bis dahin ist nicht einfach, auch in finanzieller Hinsicht. Bitte vergessen Sie uns nicht inmitten all der Herausforderungen, mit denen Sie es jeden Tag zu tun haben - genau wie wir.

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott uns alle fest in seiner Hand!

Herzliche Grüße aus Quilmes

Claudia Lohff-Blatezky

 

 

 

Übersetzung Video für die Familien

Hallo liebe Kinder und Familien!
Zur Zeit müssen wir zu Hause bleiben.
Nur auf diese Weise könnt ihr euch selbst und die anderen schützen.
Wir wollen euch dabei Gesellschaft leisten und euch bitten:
Vergesst nicht jeden Tag zu lachen;
eure Familie zu umarmen und euch umarmen zu lassen;
in der Sonne zu spielen;
mit unsichtbaren Stiften ein tassenfarbigen Regenbogen zu malen;
zu singen, zu tanzen und herumzuspringen bist ihr müde seid;
den Mond und die Sterne anzuschauen;
Geschichten für einander zu erfinden;
für euer Brot (dh euer Essen) Dank zu sagen und für jeden neuen Tag.
Und dabei leisten wir euch Gesellschaft, machen uns gegenseitig Mut,
spüren, dass wir einander nahe sind.
Vergiss nicht, dass wir dich sehr lieb haben!!!
Und wenn diese Zeit vorüber sein wird,
treffen wir uns wieder und verbringen gemeinsam wunderschöne Momente.
Bis bald!!
Kindertagesstätten “Los Angelitos” und “El Arca de los Niños”

Liebe Freundinnen und Freunde in Deutschland

April 2020

Während wir versuchen, uns Tag um Tag in dieser so völlig veränderten Welt zu orientieren, denken wir oft an Sie alle. Informationen über die Situation in den Ländern Europas, der USA und anderen Teilen der Welt gehören seit jeher, aber jetzt ganz besonders zur täglichen Nachrichtenproduktion in Argentinien. Aber was hören Sie von Argentinien?

Seit dem 16. März sind die Aktivitäten der Schulen und Kindergärten unterbrochen, davon sind seitdem auch unsere Kindertagesstätten betroffen. In den darauffolgenden Tagen haben wir, wie viele Geschwister, für sehr arme Familien Lebensmittelpakete für zwei Wochen (zuerst verordnete Dauer der Unterbrechung) zusammengestellt, die Empfängerfamilien verständigt und die Ausgabe organisiert.

Erste Komplikation dabei: das Schuljahr hatte ja gerade erst am 2. März begonnen, die neu zugegangenen Familien kennen wir noch nicht in allen Fällen im Detail und haben deshalb auch noch nicht alle benötigten Angaben. Aber Not macht erfinderisch und solidarisch, wir haben es geschafft.

Dann kam die Verfügung der kompletten Ausgangssperre ab dem 19. März, die am 29. 3. um zwei Wochen verlängert wurde. Die unentbehrlichen Berufsgruppen sind ausgenommen - dazu gehören auch wir - wenn wir nicht unter eine der Risikogruppen fallen: über 65 Jahre alt, chronische Erkrankung die zur Reduzierung der Immunkräfte führen, einziges Elternteil für die Betreuung der minderjährigen Kinder ohne Schulunterricht. Aber es gilt nur für die Organisation und Durchführung der Versorgung mit Lebensmitteln.

Also haben wir in den letzten Tagen unsere Zeit und Energie darauf verwendet, eine neue Ausgabe von Lebensmittelpaketen zusammenzustellen. Gar nicht einfach, denn in den meisten Läden sind die Verantwortlichen nicht bereit, die Produkte in größeren Mengen zu verkaufen, auch wenn wir erklären, wofür wir diese Mengen benötigen und dass es sich nicht um Hamsterkäufe handelt. Eine weitere Hürde: Auch die Banken funktionieren nur per Online-Banking, aber viele Zulieferer wollen nur gegen Bargeld verkaufen. Ganz zu schweigen von den zum Teil schamlosen Preissteigerungen trotz offiziellem Einfrieren der Preise.

Aber wir haben es wieder geschafft - und die immer wieder ausgedrückte Dankbarkeit der Mütter macht deutlich, dass es sich um viel mehr handelt als um die bitter nötigen Lebensmittel - der Anruf, und der Moment der Übergabe machen es für sie greifbar: Es denkt jemand an mich; mein Ergehen und das meiner Kinder ist anderen wichtig!

Wir können uns in diesen Tagen zwar nicht umarmen - schwierig für argentinische Gepflogenheiten! - aber alle Beteiligten spüren, wie bedeutungsvoll und hoffnungsspendend diese Begegnungen sind.

Wir sind dankbar für die Möglichkeit dazu!

Argentinien ist ein Land großer wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Unterschiede. Der Zugang zu digitaler Kommunikation, zu online abgewickelten Behörden und Bankvorgängen, ist den ärmeren Bevölkerungsteilen nicht möglich - im besten Fall haben sie ein Prepaid-Handy.

Schon zu “normalen Zeiten” bedeutet das, ausgeschlossen zu sein von vielen Interaktionen. In der gegenwärtigen Situation, in der, wo immer möglich, auf Arbeit von zu Hause aus per Internet am Computer umgestellt wird, können die Armen nicht mitziehen. Ihre Erwerbstätigkeiten haben keine online-Alternativen: Arbeit am Bau, im Straßenverkauf oder als Haushaltshilfe. Und zumeist haben sie kein Bankkonto und kein Internet um es online zu verwalten.

Und in ihren Hütten wohnen meisten so viele, dass an einen Vorbeuge-Abstand von einem Meter oder mehr gar nicht zu denken ist. Häufiges Händewaschen - wie soll das gehen, wenn kein fließendes Wasser im Hause ist?

Angesichts der so vielfältigen neuen Facetten der Ungleichheit und Benachteiligung schließen wir heute und alle diese Tage hindurch diese Situationen in unsere Fürbitten ein und bitten Sie alle, es ebenfalls zu tun.

Wir gehen auf die Karwoche zu, dieses Jahr ohne Palmsonntag mit geweihten Olivenzweiglein, Passionsandachten und Via Crucis, den Kreuzweg-Umzügen, die gerade in den Armenvierteln so wichtig sind. Lassen Sie uns gemeinsam darum beten und darauf hoffen, dass die Ostern gefeierte Überwindung der Kräfte des Todes in unser aller Leben und Welt greifbar werde.

In alter und neu befestigter Verbundenheit

Claudia Lohff-Blatezky

Guter Kontakt zur Kindertagesstätte in Quilmes

Quilmes ist ein "Vorort" im Süden der Millionenmetropole Buenos Aires. Mehr als 400.000 Menschen leben hier. Die kleine deutsch-evangelische Gemeinde in Quilmes hat angesichts der Not der ärmsten Familien im benachbarten Slumgebiet ihr ehemaliges Gemeindehaus umgewidmet zu einer KiTa für ca. 120 Kinder.

Die Leiterin, Claudia Lohff-Blatezky, war schon mehrfach bei uns und hat immer wieder von der aktuellen Situation erzählt. In der Adventszeit erreichen uns "Briefe auf dem Weg zur Krippe", zu Ostern oder Pfingsten oder zum Gemeindefest kommen Grüße von dort per Email.  

Wir sind dankbar für diesen Kontakt und empfinden ihn keineswegs nur als Einbahnstraße einer finanziellen Unterstützung. Natürlich ist jeder Euro, den wir dorthin geben können, dort sinnvoll und nötig. Aber wir empfangen auch vieles aus dieser Partnerschaft.

"Wir sind arm, aber wir haben ein Herz füreinander". Allein dieses Zitat aus Quilmes gibt uns immer wieder Grund zum Nachdenken über das, was wirklich wichtig ist.  

Wenn Sie uns helfen wollen, die KiTa in Quilmes zu unterstützen, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit dem Stichwort QUILMES auf unser Konto DE98 6415 0020 0000 1531 91 bei der KSK Tübingen. Eine Zuwendungsbestätigung wird Ihnen selbstverständlich zugesandt.

Bilder der Kindertagesstätte Quilmes